Blended Learning in Ausbildung und Studium der Logopädie

Maria Geißler

Fachbereich Gesundheit, Europafachhochschule Fresenius, Idstein

Schon seit den siebziger Jahren wird PC-gestütztes Lernen eingesetzt. Geschah dies zu Beginn hauptsächlich als isoliertes Lernen mit einer CD-Rom oder einem Lernprogramm (Kerres, 2002), rückte besonders seit Beginn der neunziger Jahre multimodales internetbasiertes Lernen in den Vordergrund (Reinmann-Rothmeier et al. 1997). Durch den Einsatz von Text, Grafik, Bild und Film werden viele Sinne angesprochen, weltweite Vernetzung ermöglicht kommunikatives und kooperatives Lernen orts- und zeitunabhängig. Die höhere Qualität der Multimediawerkzeuge sorgt für mehr Interaktions- und Manipulationsmöglichkeiten durch den Lernenden. Dabei ist auch das Lernen nach konstruktivistisch geprägten Lernprinzipien möglich: Der Lernende lernt situiert und anhand authentischer Probleme, in verschiedenen Kontexten und unter vielseitigen Perspektiven sowie im sozialen Kontext (Reinmann-Rothmeier et al. 1997).

In den letzten Jahren wurde jedoch festgestellt, dass die neuen Formen „medien- und computergestützen“ Lernens gegenüber konventionellem Präsenzlernen keineswegs grundsätzlich überlegen sind. Vielmehr kann e-learning als Ergänzung zu Präsenzlernen eingesetzt werden (Kerres, 2002). Diese Form des Lernens, dann als blended learning bezeichnet, und e-learning-Formen wurden schon erfolgreich in schulischer Umgebung (z.B. Scardamalia et al. 1994 in Reinmann-Rothmeier et al. 1997) an der Universität (z.B. Nistor et al. 2002, Rogalla, 1998) und in der beruflichen Weiterbildung eingesetzt. In der Logopädieausbildung wurde 2004 ein e-learning-Pilotprojekt von Lauer und Kollegen gestartet (Lauer, 2005). Über den Einsatz von blended learning in der Ausbildung bzw. dem Studium der Logopädie gibt es jedoch noch keine spezifischen Erfahrungen.

Seit September 2005 läuft an der Europafachhochschule Fresenius in Idstein ein Pilotprojekt zu blended-learning im Rahmen einer Dysphagie-Vorlesung bei einem Studienkurs des vierten Studienjahres (15 Teilnehmer). Als Lernplattform wurde „moodle“, eine open-source-Plattform eingesetzt. Inhalte des virtuellen/e-learning- Teiles der Veranstaltung sind Inhalte aus der Vorlesung zum Nachlesen, ergänzende Materialien zur Vorlesung, Gruppenräume für Gruppenaufgaben, Chats, Foren und Einzelaufgaben. Vor und nach dem Dysphagiekurs werden die Teilnehmer mit einem modifizierten Fragebogen nach Lauer (Lauer, 2005) zu ihren Einstellungen zu e-learning und PC-Umgang sowie zu ihren Kenntnissen im Bereich Dysphagie und PC-Umgang befragt. Des weiteren werden die Dysphagiekenntnisse in einer Klausur abgefragt.

Im Vortrag werden erste Ergebnisse dieses Projektes vorgestellt und Wirkprinzipien von PC-gestütztem Lernen bzw. blended learning diskutiert.

 

Literatur:

 

Kerres, M. (2002): Online- und Präsenzelemente in hybriden Lernarrangements kombinieren, in Hohenstein & Wilbers, K. (Hrsg.): Handbuch E-learning. Köln: Fachverlag Deutscher Wirtschaftsdienst

Lauer, N. (2005): E-learning für LogopädInnen – Zukunftsvision oder Realität?, Forum Logopädie, 2 (19), 28-32

Nistor, N., Mandl, H. (2002): Das virtuelle Seminar KOALAH: „Lernen in Computernetzen“,           Praxisbericht Nr. 26 der LMU München

Reinmann-Rothmeier, G. & Mandl, H. (1997): Problemorientiertes Lernen mit Multimedia, in K. A. Geißler, G. von Landsberg & M. Reinartz (Hrsg.): Handbuch Personalentwicklung und             Training. Ein Leitfaden für die Praxis. Köln: Verlagsgruppe Deutscher Wirtschaftsdienst. 1-20

Rogalla, I. (1998): Virtuelle Methodenseminare im Institut für Psychologie: Evaluationsbericht, in Lück, H.E. (Hrsg.) Berichte aus dem Arbeitsbereich Psychologie. Hagen: FernUniversität             Hagen