Mehrsprachige Kinder mit einer Spezifischen Sprachentwicklungsstörung:

 Konsequenzen für die Diagnostik

Solveig Kroffke

                Sonderforschungsbereich Mehrsprachigkeit (538) Universität Hamburg

 

Mehrsprachige Kinder werden immer häufiger in sprachbehindertenpädagischen und logopädischen Praxen vorgestellt. Es ergibt sich dabei das diagnostische Dilemma, dass unklar ist, wie eine genuine Sprachentwicklungsstörung von unauffälliger Variation im kindlichen Zweitspracherwerb des Deutschen unterschieden werden kann. Da eine Spezifische Sprachentwicklungsstörung als genuine Störung definiert ist, muss sie sich in beiden Sprachen ausprägen. Bisher gibt es über SSES in Sprachen wie Türkisch, Russisch, Vietnamesisch usw. sehr wenig Erkenntnisse, so dass für eine Diagnose nur sehr begrenzt auf die Entwicklung in der Erstsprache zurückgegriffen werden kann.

In unserem Vortrag sollen generelle Erkenntnisse aus der aktuellen Mehrsprachigkeitsforschung und erste Ergebnisse unseres Forschungsprojektes zum frühen Zweitspracherwerb Deutsch bei sprachunauffälligen und sprachauffälligen Kindern vorgestellt werden. Ausgehend von der Hypothese, dass die sprachlichen Auffälligkeiten von Kindern mit einer SSES in besonderem Maße den Bereich der Grammatik betreffen, soll der Erwerb der deutschen Satzstruktur dargestellt werden. In einem dritten Teil werden Konsequenzen für die Feststellung des Sprachstandes mehrsprachiger Kinder für die Praxis aufgezeigt.

 

 

 

 

Literatur:

Kracht, A. 1996. Förderung kindlicher Zweisprachigkeit als sprachbehindertenpädagogische Herausforderung. In: Die Sprachheilarbeit 41(1996)6, 356-365.

Kracht, A. 2000. Migration und kindliche Zweisprachigkeit. Interdisziplinarität undProfessionalität sprachpädagogischer und sprachbehindertenpädagogischer Praxis. Münster 2000.

Rothweiler, M. 2006a. The Acquisition of V2 and Subordiniate Clauses in Early SuccessiveAcquisition of German. In: In: Lleó, Conxita (ed.). Interfaces in Multilingualism: Acquisition, representation and processing. Amsterdam: John Benjamins.

Rothweiler, M. 2006b. Multilingualism and language impairments. In: Auer, Peter &Li Wei (eds.). Multilingualism. (= Handbook of Applied Linguistics (HAL), edited by Antos, Gerd & Karlfried Knapp). Berlin, New York: de Gruyter.

Rothweiler, M. 2006c. Spezifische Sprachentwicklungsstörung und Mehrsprachigkeit. In: H. Schöler & A. Welling (Hgg.). Förderschwerpunkt Sprache. (= J. Borchert & H. Goetze (Hg.). Handbuch der Pädagogik und Psychologie bei Behinderungen. Bd. 3.). Göttingen: Hogrefe.

Rothweiler, M. & S. Kroffke. 2006. Mehrsprachigkeit. In: Bartels, H. & Siegmüller, J.: Leitfaden Sprach-, Sprech- und Stimmtherapie. München. Urban & Fischer, 44-49.

Rothweiler, M. & S. Kroffke & M. Bernreuter. 2004. Grammatikerwerb bei mehrsprachigen Kindern mit einer Spezifischen Sprachentwicklungsstörung. Voraussetzungen und Fragen. Die Sprachheilarbeit 49. 25-31.