Das elektronische Hilfsmittel B.A.Bar in der Aphasietherapie

- eine Einzelfallstudie -

Ruth Nobis-Bosch1, Irmgard Radermacher1, Luise Springer3

1  Abt. Neurolinguistik, Neurologischen Klinik, Universitätsklinikum der RWTH Aachen

2  Lehranstalt für Logopädie am Universitätsklinikum der RWTH Aachen

Wie aktuelle Effektivitätsstudien zeigen, beeinflusst die Therapieintensität den Rückbildungsverlauf bei Aphasien entscheidend. Signifikante sprachliche und kommunikative Verbesserungen sind nur durch hochfrequente Therapie zu erzielen (u.a. Bhogal, 2003; Basso, 2005). Hierzu werden mindestens 9 Stunden Sprachtherapie pro Woche empfohlen. Diese Therapieintensität kann nicht alleine durch ambulante logopädische Behandlung erreicht werden. Darum ist es wichtig Techniken zu entwickeln und zu erforschen, die es den Patienten ermöglichen, supervidiert selbst zu lernen.

Eine etablierte Form von Eigentraining in der Aphasietherapie sind Hausaufgaben in Form von Papier-und-Bleistift-Aufgaben. Ein weiteres Konzept ist die Anleitung von Angehörigen oder freiwilligen Helfern zur Ergänzung der professionellen Therapie (Basso, 2001). Der Einsatz von elektronischen Hilfen und computergestützten Systemen in der Aphasietherapie gilt inzwischen als Standard (Roth und Katz, 1998; Aftonomos et al., 1999).

Seit einigen Jahren ist das elektronische Hilfsmittel B.A.Bar erhältlich, das sich durch eine sehr einfache Bedienung auszeichnet. Die Handhabung ist für fast alle Aphasiker erlernbar. B.A.Bar ist daher für ein Eigentraining während einer stationären Rehamaßnahme oder für ein Heimtraining ergänzend zur ambulanten Therapie gut einsetzbar. Der Einsatz von B.A.Bar ist insbesondere zur Aktivierung des Wortschatzes und kurzer kommunikativer Wendungen sinnvoll. Wörter, Phrasen oder Sätze können von B.A.Bar digital aufgenommen werden. Die auditive Wiedergabe des Sprachmaterials erfolgt über Strichcodes, die sich auf Arbeitsblättern befinden.

Ziel der Einzelfallstudie war der Nachweis der Effektivität des technischen Hilfsmittels B.A.Bar zur Verbesserung des mündlichen Benennens bei einem Patienten mit schwerer Wortabrufstörung. Zur Evaluierung wurde eine methodenvergleichende Studie durchgeführt. Eine ‚traditionelle’ Therapiemethode, schriftliches Wort-Bild-Zuordnen mit lautem Lesen, wurde dem B.A.Bar-unterstützten Wortabruf gegenüber gestellt. Die beiden Therapieformen wurden in randomisierter Abfolge nach einem Alternating-Treatment-Design angeboten.

Die logopädische Therapie fand 3x wöchentlich statt. Mündliches Benennen wurde zusätzlich im Heimtraining mit B.A.Bar bzw. mit Wort-Bild-Zuordnungen und lautem Lesen täglich geübt. Entsprechend der beiden Therapieformen wurden Arbeitsblätter mit je 10 Items zu alltagsrelevanten Themenfeldern konzipiert. Diese sollten 6x täglich jeweils 10-20 min. bearbeitet werden, so dass mindestens 8 Stunden wöchentlich über 8 Wochen geübt wurde.

Zu Beginn jeder logopädischen Sitzung wurde die mündlichen Benennleistung in einem kurzen Screeningverfahren überprüft. Konnte das Zielwort nicht spontan abgerufen werden, wurden hierarchisch abgestufte Hilfen angeboten.

Am Ende der Therapiephase sind signifikante Leistungsverbesserungen im hilfen-unterstützten Benennen nachweisbar. Es besteht ein signifikanter Überlegenheits­effekt des Heimtrainings mit B.A.Bar gegenüber der Wort-Bild-Zuordnungs-Aufgabe für geübtes Material.

Die Einzelfallstudie zeigt, dass die Wortaktivierung auch bei schwerer Aphasie durch ein Heimtraining effektiv verbessert werden kann. Im vorliegenden Fall zeigen sich jedoch Begrenzungen im Hinblick auf Transfereffekte und spontanes Benennen.

Die insgesamt positiven Ergebnisse der Einzelfalluntersuchung veranlassten eine weitere Evaluationsstudie. Die Effektivität eines Heimtrainings mit B.A.Bar wird zur Zeit in einer randomisierten parallelen Gruppenstudie (n=18) überprüft. Erste Ergebnisse dieser Studie werden vorgestellt.

 

 

 

 

 

Literatur:

Aftonomos, L. B., Appelbaum, J. S., & Steele, R. D. (1999). Improving outcomes for persons with aphasia in advanced community-based treatment programs. Stroke, 30, 1370-1379.

Basso, A.. (2005) How intensive/prolonged should an intensive/prolonged treatment be?. Aphasiology, 19(10/11), 975-984

Basso, A., Coporali, A. (2001) Aphasia therapy or the importance of being earnest. Aphasiology, 15(4), 307-332

Bhogal S.K., Teasell R., Speechley M. (2003). Intensity of aphasia therapy, impact on recovery. Stroke, 34 (4), 987-93

Nobis-Bosch, R. (2003) Heimtraining mit dem elektronischen Hilfsmittel B.A.Bar in der Aphasietherapie. Unveröffentlichte Diplomarbeit, RWTH Aachen

Roth, V. M. & Katz, R. C. (1998). The role of computers in aphasia rehabilitation. In Stemmer, B. and H. A. Whitaker, eds. Handbook of Neurolinguistics. San Diego, Academic Press., 585-596.