Ente fängt mit E an – Auswahl von Therapie-Materialien im Bereich der Prävention von LRS

Carola D. Schnitzler, MSc/GB & Prof. Gerheid Scheerer-Neumann, PhD

Humanwissenschaftliche Fakultät Institut für Grundschulpädagogik / Deutsch Universität Potsdam

 

Buchstabenkenntnis und phonologische Bewusstheit sind die Faktoren, die sich am einflussreichsten bei der Vorbereitung auf den erfolgreichen Schriftspracherwerb und der Prävention von Lese-Rechtschreibschwierigkeiten einsetzen lassen. Insbesondere in einem kombinierten Training sind sie effektiv, wie bereits Bradley & Bryant in ihren grundlegenden Studien zur „phonological linkage theory“ zeigen konnten (Bradley & Bryant, 1983, für das Deutsche vgl. z.B. Roth & Schneider, 1999). Professionell wird diese Erkenntnis in Trainingsprogrammen wie beispielsweise der erweiterten Version des Würzburger Trainingsprogramms (Plume & Schneider, 2004) umgesetzt; außerhalb von systematischen Förder- und Therapiemaßnahmen kommen häufig Buchstabenbücher und Anlauttabellen zum Einsatz.

In vielen gängigen Buchstabenbüchern und auch in einigen Anlauttabellen werden psycholinguistische Erkenntnisse häufig nicht berücksichtigt. Sie gehen meistens von dem phonologischen Wissen schriftkundiger Erwachsener aus, das durch die Schriftspracherfahrung jedoch bereits beeinflusst wurde und deshalb nur eingeschränkt auf Vorschulkinder und Schulanfänger übertragen werden kann, deren phonologisches Wissen primär bzw. ausschließlich auf lautsprachlichen Charakteristika beruht (vgl. Ziegler & Goswami, 2005). Diese Tatsache behindert die Effektivität des Einsatzes dieser Medien. In diesem Vortrag werden exemplarisch an einem Buchstabenbuch (Scheerer-Neumann & Schnitzler, 2005) grundlegende Erkenntnisse vorgestellt, die generell bei der Auswahl von Materialien, die in im Rahmen der Prävention von LRS, z.B. als Teil der Therapie von phonologischen Aussprachestörungen, eingesetzt werden können (vgl. National Reading Panel, 2000).

 

 

Literatur:

 

Bradley, L., & Bryant, P.E. (1983). Categorising sounds and learning to read - a causal connection. Nature, 301, 419-421.

 

Plume, E., & Schneider, W. (2004). Hören, Lauschen, Lernen 2: Sprachspiele mit Buchstaben und Lauten für Kinder im Vorschulalter. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht.

 

Roth, E., & Schneider, W. (1999). Training of phonological awareness and letter knowledge in children-at-risk. In P. Reitsma & L. Verhoeven (Eds.), Problems and interventions in literacy development. Dordrecht: Kluwer Academic Publishers.

 

Scheerer-Neumann, G., & Schnitzler, C. (2005). Café der Tiere. Das Buchstabenbuch für Vorschulkinder und Schulanfänger. Velber: Kallmeyer.

 

National Reading Panel, Report of the Subgroups (2000). Alphabetics. Part 1. Phonemic awareness instruction. www.nationalreadingpanel.org, 2.1-2.64.

 

Ziegler, J.C., & Goswami, U. (2005). Reading acquisition, developmental dyslexia, and skilled reading across languages: A psycholinguistic grain size theory. Psychological Bulletin, 131(1), 3-29.