Entwicklung eines Anamnesebogens zur Erfassung des
prämorbiden Kommunikationsverhaltens bei zweisprachigen Patienten mit Aphasie
Deirdre Späth
Logopädische Praxis
Deirdre Späth, München
Weltweit sind zunehmend mehr Menschen darauf angewiesen,
sich in zwei Sprachkulturen zu bewegen. Durch Migration, internationale
wirschaftliche Verbindungen etc. sind auch in ursprünglich monolingualen
Ländern, wozu Deutschland zählt, zahlreiche zwei- oder mehrsprachige Personen
anzutreffen. Daher werden auch für den klinischen Bereich bi- oder
multilinguale Patienten relevant, deren Biligugualität insbesondere dann eine
Rolle spielt, wenn die sprachlichen Fähigkeiten krankheitsbedingt Einbußen
erlitten haben, wie dies beim Störungsbild der Aphasie der Fall ist. Für die Aphasiediagnostik
und -therapie muß bei dieser Patientenklientel sowohl aus neurolinguistischer
als auch aus psychosozialer Sicht ein komplexeres Bedingungsgefüge beachtet
werden, weshalb anamnestischen Informationen hier ein besonderer Wert zukommt.
In der einschlägigen Forschungsliteratur werden hinsichtlich des
Heilungsverlaufs verschiedene psycholinguistische Faktoren als sekundäre
Einflußgrößen diskutiert, die neben Art und Ausmaß der neurologischen
Erkrankung eine Rolle spielen können. Diese beim einzelnen Patienten
systematisch zu erfassen, um die Aphasiediagnostik und -therapie zu
unterstützen, ist Ziel des entwickelten Anamnesebogens. Im Rahmen einer
Pilotstudie wird untersucht, inwieweit eine sprachbiographischen Erhebung einen
sinnvollen Beitrag hierzu leisten kann. Die Zeit vor der Erkrankung bildet
dabei den Schwerpunkt. Um eine etwaige prämorbide Sprachdominanz festzustellen,
wird die Häufigkeit ermittelt, mit der der Patient jeweils beide Sprachen in
verschiedenen Zeiträumen, Lebensbereichen und emotionalen Zuständen verwendete;
dies geschieht, indem er oder nötigenfalls Angehörige dazu befragt werden.
Desweiteren werden für die Abgrenzung pathologischer Symptome von Lerndefiziten
sprachsytematische Defizite in beiden Sprachen prä-postmorbid untersucht.
Letzteres erfolgt über eine fremdanamnestische Erhebung, d.h. über eine
Befragung von Angehörigen, Bekannten etc. des Patienten.
Es werden die in der Pilotstudie erhobenen Daten von 5-10
Patienten vorgestellt und der entwickelte Anamnesebogen im Hinblick auf seine
klinische Relevanz diskutiert.