Entwicklung und Anwendung eines computergestützten Screenings der Erstsprachfähigkeit bei Migrantenkindern – SCREEMIK nach Wagner & Wagner

Dr. Lilli Wagner

Forschungsinstitut für Sprachtherapie und Rehabilitation – FSR an der Ludwig-Maximilians-Universität, München

 

Zielsetzung: Das Ziel des computergestützten Screenings – SCREEMIK ist es, deutschsprachigen Logopäden, Sprachheilpädagogen und Pädagogen - auch ohne Kenntnisse der Erstsprache des Kindes - eine Einschätzung des sprachlichen Entwicklungsstandes von zweisprachigen Kindern zu ermöglichen, die wenig oder kaum Deutsch sprechen. Durch ein differenziertes Screeningverfahren in der Erstsprache des Kindes soll eine Früherfassung von zweisprachigen sprachgestörten Vorschulkindern ermöglicht werden.

 

Anwendung des SCREEMIK: Das SCREEMIK wurde für Migrantenkinder entwickelt, deren Deutschkenntnisse so schwach sind, dass sie keine Aussage über den sonderpädagogischen Förderbedarf erlauben. Damit sind Kinder gemeint, bei denen die Erstsprache die „starke“ Sprache ist, sodass die sprachliche Überprüfung in der Erstsprache erfolgen sollte. Das Testmaterial eignet sich für die Altersstufe von 4 bis 6 Jahren. Die Testdauer beträgt durchschnittlich 15-25 Minuten. Da der Bericht automatisch erfolgt, muss keine zusätzliche Protokollier- oder  Auswertungszeit einberechnet werden.

 

Aufbau des Programms

Das Programm enthält vier wichtige Bereiche:

·        Überprüfung der Aussprache,

·        Überprüfung der Grammatik,

·        Überprüfung des Wortschatzes,

·        automatische Berichterstellung über den Computer

 

Methodik: Das Computerprogramm ist jeweils mit 2 Fenstern ausgestattet: einem linken Fenster mit den Bildern für die Kinder und einem rechten Fenster für den Prüfer. Im rechten Fenster werden alle Aufforderungen, die vom Computer an das Kind gestellt werden, wörtlich übersetzt. Mit dem Drücken des Knopfes „Start“ können akustische Signale vom Computer ausgelöst werden. Im rechten Fenster wird auch genau festgehalten, welche Antwort bei der jeweiligen Aufgabe von dem Kind erwartet wird. Um der Antwort des Kindes besser folgen zu können, ist diese transkribiert und mit einer Betonung versehen.

 

Bericht und Interpretation der Testergebnisse:

Nach der Überprüfung der Bereiche Aussprache, Grammatik und Wortschatz erfolgt die quantitative Auswertung automatisch über den Computer. Sofort nach Testende besteht die Möglichkeit, den Bericht auszudrucken. In diesem wird festgehalten, welche Aufgaben bei dem Kind durchgeführt wurden und in welchen Teilbereichen das Kind auffällig war. Der automatisch erstellte Bericht dient zum einen als Screeninginstrument, um sprachlich auffällige Kinder in einem möglichst frühen Stadium zu erfassen. Zum anderen soll er Deutsch sprechenden Fachpersonen helfen, die sonderpädagogische Hilfe gezielt zu gestalten.

 

Wissenschaftliche Untersuchungen mit dem SCREEMIK:

Die aktuelle Fassung des SCREEMIK wurde bisher an 68 Kindern erprobt. Am statistischen Beratungslabor in München erfolgte anschließend eine statistische Überprüfung der Ergebnisse. Zur Zeit befindet sich das Verfahren weiterhin in der Erprobungsphase, es werden noch Werte gesammelt. Um die Ansprüche einer wissenschaftlichen Analyse zu erfüllen, erfolgt demnächst eine Normierung mit größeren Probandenzahlen und Durchschnittswerten.

 

 

 

 

Literatur:

Grohnfeldt, M., Triarchi-Herrmann, V. & Wagner, L. (Hrsg. ) (2005): Mehrsprachigkeit als sprachheilpädagogische Aufgabenstellung. Edition von Freisleben: Würzburg.

Jedik, L. (2002): Die russlanddeutsche Migration in der Sprachbehindertenpädago-gik. Geschichtlich-theoretischer Hintergrund und praxisrelevante Forschungs-ergebnisse für das sprachbehindertenpädagogische Handlungsfeld durch konfrontierende Sprachanalyse. Shaker Verlag: Aachen.