Sprachliche Rehabilitation aphasischer Menschen in mehrsprachigen Gesellschaften: Theoretische Grundlagen, klinische Verfahren und internationale Perspektiven

 

Jose G. Centeno (centenoj@stjohns.edu)

Speech-Language Pathology & Audiology Program

Department of Speech, Communication Sciences, & Theatre

St. John's University

Jamaica, New York, United States of America

 

Die Arbeit mit Aphasikern in mehrsprachigen Gesellschaften stellt eine Herausforderung für Logopäden und Logopädinnen dar. Es ist möglich, dass Aphasiker im Rahmen ihres Alltags vor einem Schlaganfall zwei oder mehrere Sprachen verwenden (zwei- bzw. mehrsprachige Sprecher). Sie verwenden teilweise täglich verschiedene Sprachen (z.B. Italienisch-Spanisch, Deutsch-Englisch-Französisch usw.) und verfügen über unterschiedliche Lebenserfahrungen. Daher bedarf es für eine genaue klinische Differenzierung zwischen aphasischen Störungen nach einem Schlaganfall (post-stroke) und der prämorbiden Sprachbeherrschung einer realistischen Beurteilung. Es kann jedoch der Fall eintreten, dass keine standardisierten, für zwei- bzw. mehrsprachige Patienten geeignete Tests zur Verfügung stehen. Darüber hinaus erfordert eine angemessene Diagnose ein detailliertes Wissen über die Faktoren, die bei der Wiedererlangung der Sprachfähigkeit nach einem Schlaganfall bei zweisprachigen/mehrsprachigen Sprechern eine Rolle spielen (neurolinguistische, psycholinguistische, soziolinguistische und sozioökonomische Variablen). Für die Planung effektiver Therapieprogramme während der Behandlung müssen viele zusammenwirkende Faktoren berücksichtigt werden, wie beispielsweise die persönliche Veranlagung, die Sprachfähigkeiten und die Akkulturation des Patienten. In diesem Vortrag werden am Beispiel bilingualer Sprecher (Spanisch-Englisch) aus den USA die theoretischen Grundlagen behandelt, auf denen Diagnose- und Therapieverfahren für zweisprachige/mehrsprachige Aphasiker aufbauen. Da eine Untersuchung der in anderen Ländern praktizierten klinischen Verfahren mit zweisprachigen/mehrsprachigen Patienten aufschlussreich sein könnte, möchte dieser Vortrag auch einen Beitrag zum Austausch zwischen den Logopäden und Logopädinnen aus verschiedenen Ländern leisten und Einsichten vermitteln, die eventuell auch in anderen mehrsprachigen Gemeinschaften genutzt werden können.

 

Schlüsselwörter: Aphasie, Zweisprachigkeit, Mehrsprachigkeit, Tests, Therapie