Auswirkungen des Erwerbsalters auf die Benennleistung bilingualer friesisch-niederländischer Sprecher mit Alzheimer-Erkrankung

 

Wencke S. Veenstra (w.s.veenstra@neuro.umcg.nl)

Department of Neurology, University Medical Centre Groningen

Groningen, the Netherlands

Nick Miller (nicholas.miller@ncl.ac.uk)

Speech Language Sciences, University of Newcastle

Newcastle, United Kingdom

Mark Huisman (j.m.e.huisman@rug.nl)

Department of Psychology, University of Groningen

Groningen, the Netherlands

 

Wir haben die Auswirkungen des Erwerbsalters auf die Benennleistung 26 bilingualer Sprecher (Friesisch-Niederländisch) erforscht, die unter Demenz vom Typ Alzheimer (DAT) leiden. Mit einer experimentellen Aufgabenstellung zur Benennung von Abbildungen und mit dem Erwerbsalter entsprechenden Maßnahmen wurde für beide Sprachen die Benennleistung beurteilt. Dabei sind wir von der Hypothese ausgegangen, dass das Erwerbsalter in Übereinstimung mit den Ergebnissen bei gesunden Sprechern Auswirkungen auf die Wortfindung der getesteten Sprecher hat.

In beiden Sprachen konnten signifikante Auswirkungen des Erwerbsalters auf die Benennleistung festgestellt werden. Es wurden Hinweise darauf gefunden, dass Worte, die in frühen Lebensjahren erworben wurden, bei Alzheimer-Erkrankungen in leichter bis gemäßigter Form besser behalten und abgerufen werden können. Bezüglich der Sprachen wurden keine Unterschiede festgestellt. Die zweisprachigen Alzheimerpatienten hatten in beiden Sprachen (L1 und L2) Probleme bei der Wortfindung. Beim Code-Switching hingegen war die Leistung unserer Patienten beim Friesischen (L1) fehlerhafter als beim Niederländischen (L2). In der Gesprächssituation wurde jedoch jeweils die richtige Sprache gewählt. Durch eine qualitative Analyse der fehlerhaften Antworten wurden die Art und die Lokalisierung der Defizite beim Benennen festgestellt. Bei der Fehlerverteilung insgesamt wurden weder bezüglich der Sprachen noch bezüglich der früh oder spät erlernten Worte Unterschiede festgestellt. Im Ergebnis zeigt die Untersuchung der Benennleistungen einen signifikant höheren Prozentsatz semantisch bedingter Fehler im Vergleich mit visuell bedingten Fehlern. Diese Ergebnisse geben wichtige Hinweise für das Verstehen von Problemen bei der Wortfindung zweisprachiger Alzheimerpatienten und für die Entwicklung angemessenerer Sprachtests sowie neuropsychologischer Tests für bilinguale Sprecher mit neurologischen Störungen.

 

Schlüsselwörter: Erwerbsalter, Zweisprachigkeit, Benennen von Abbildungen, Demenz