Zunahme von spezifischen
Sprachentwicklungsstörungen –Internationaler Mythos oder Faktum?
Sinikka Hannus (sinikka.hannus@puheterapeutti.fi)
Myyrmäki Health and Social Welfare Centre
Kaisa Launonen (kaisa.launonen@helsinki.fi)
Department of Speech Sciences
University
of Helsinki
Helsinki,
Finland
Viele
Krankenhausärzte aus verschiedenen Ländern vertreten die einhellige Meinung,
dass die Zahl von spezifischen Sprachentwicklungsstörungen (SES) in den
vergangenen Jahrzehnten kontinuierlich gestiegen ist. In der Schlussfolgerung
ihrer Untersuchung kamen Law et al. (1998) jedoch zu dem Ergebnis, dass es
keinen Beleg für einen tatsächlichen Anstieg der Zahl von SES zwischen 1967 und
1997 gibt. Aufgrund unterschiedlicher Klassifizierungen von Sprachstörungen bei
Kindern ist es schwierig, Schätzungen über die Verbreitung dieser Störungen
abzugeben und die Schätzungen der einzelnen Länder miteinander zu vergleichen.
In
einer finnischen Stadt mit 170.000 Einwohnern wurde eine retrospektive Studie durchgeführt.
Die Ergebnisse dieser Studie für den Zeitraum 1989-1999 ergaben einen
statistisch signifikanten Anstieg bei der Zahl von SES-Diagnosen (F80.1 und
F80.2): In der Altersgruppe 0-6 Jahre von 0,09 % auf 0,84 % und in
der Altersgruppe von 0-15 Jahre von 0,04 % auf 0,69 %. Ein
vergleichbarer Anstieg wurde bei den Sprachentwicklungsverzögerungen
festgestellt. Betrachtet man diese Zahlen zusammen mit den Zahlen für SES,
ergibt sich in der Altersgruppe 0-6 Jahre ein Anstieg von 0,4 % auf
2,5 %. Dieser Anstieg konnte nicht mit Änderungen der
Organisationsstrukturen, des Gesundheitssystems oder der Art und Weise, wie die
Untersuchungen durchgeführt wurden, erklärt werden. Auch wenn die Verbreitung
von SES in Finnland im Vergleich mit den Ergebnissen zahlreicher anderer
internationaler Studien geringer ausfällt, kann der Anstieg in den elf Jahren
des untersuchten Zeitraums als bemerkenswert angesehen werden.
Schlüsselwörter:
Spezifische Sprachentwicklungsstörungen, Verbreitung, Kinder