Spezifische
Sprachentwicklungsstörung im bilingualen Kontext
Jan de Jong
(j.dejong1@uva.nl)
Antje Orgassa
Anne Bakker
Fred Weerman
Zweisprachige Kinder mit Sprachproblemen stellen uns vor
ein Rätsel, das gelöst werden muss. Verzögerungen bei der L2-Entwicklung dieser
Kinder können entweder durch einen mangelhaften Erwerb der Zweitsprache oder
eine spezifische Sprachentwicklungsstörung (SES) verursacht werden, die per
definitionem den Erwerb beider Sprachen (L1 und L2) gleichermaßen
beeinträchtigt. Um den jeweiligen Einfluss einer Sprachentwicklungsstörung und
des bilingualen Spracherwerbs feststellen zu können, müssen diese beiden
Faktoren und deren Zusammenwirken systematisch untersucht werden.
Die Erscheinungsformen von SES
unterscheiden sich je nach Sprache. Sprachübergreifende Untersuchungen haben zu
einem besseren Verständnis der SES beigetragen. Allerdings stellen Kinder, die
unter SES leiden und aus demselben Sprachraum stammen, eine heterogene Gruppe
dar. In einer Gruppe mit zweisprachigen Kindern mit SES ist eine solche
Heterogenität ausgeschlossen: Beide Sprachen können bei ein- und derselben
Testperson verglichen werden.
Unser
Forschungsprojekt konzentriert sich auf die Sprachproduktion zweisprachiger
Kinder (Türkisch und Niederländisch) mit und ohne SES. Der linguistische
Schwerpunkt liegt auf der Flexion in zwei Bereichen: auf der Inflectional
Phrase (Flexionsphrase) und den entsprechenden Flexionsmerkmalen sowie auf der
Determiner Phrase (Determiniererphrase). Die eindeutigen typologischen
Gegensätze zwischen L1 (Türkisch) und L2 (Niederländisch) sind dabei hilfreich,
sprachspezifische und störungsbedingte Einflüsse auszuschließen.
In
unserer Präsentation werden wir erste Ergebnisse der Versuche für Türkisch und
Niederländisch vorstellen. Dabei gehen wir auf die Unterschiede zwischen
Kindern mit und ohne Sprachstörungen ein. Ferner werden wir Schlussfolgerungen
zu den Unterschieden und Ähnlichkeiten vorstellen, die bei den Sprachen L1 und
L2 der Kinder festgestellt wurden. Schließlich werden die praktischen
Konsequenzen (im Hinblick auf die diagnostische Beurteilung) diskutiert.