Einflüsse des
Bildungsniveaus in der Aphasiediagnostik: Erfahrungen aus der Standardisierung
der portugiesischen Version des AAT (Aachener Aphasie Test)
Die
Schichtung normativer Daten für demographische Variablen wird regelmäßig
genutzt, um verlässliche Ergebnisse bei neuropsychologischen Untersuchungen zu
erhalten. In Portugal mit seiner im Bereich der Bildung heterogenen
Bevölkerungsstruktur lassen die normativen Daten der portugiesischen Version
des AAT für Gesundheitskontrollen (N=156: männlich=58, weiblich=98) deutliche
Auswirkungen des Bildungsniveaus erkennen. Der Zeichentest erwies sich als
Subtest, der weniger stark vom Bildungsniveau beeinflusst wird. Im Gegensatz
dazu lag die Fehlerzahl beim Benenn-Subtest in der Gruppe der weniger
gebildeten Teilnehmer signifikant höher. Wenn es sich beim Stimulusmaterial um
Fotografien und nicht um Strichzeichnungen handelte, sank die Fehlerzahl
deutlich. Die qualitative Analyse der Fehler beim Benennen ergab, dass
40 % der Fehler wahrnehmungsbedingt waren; diese Fehler wurden folglich
von einer Störung verursacht, die außerhalb des sprachlichen Systems zu suchen
ist. Bei der Verwendung derselben Stimuli bei einem Hörverständnistest kam es
zu derselben Fehlerzahl wie beim Benenntest; die Fehler standen in den meisten
Fällen mit semantischen Distraktoren in Zusammenhang.
Bei
der Leistung gesunder Teilnehmer gibt es keinen Deckeneffekt aufgrund der
Bildungsunterschiede. Das Bildungsniveau beeinflusst nicht nur die sprachlichen
Fähigkeiten, sondern auch das Wahrnehmungsvermögen bzw. die Vermittlung
zwischen diesen beiden Stadien der Verarbeitung. Die prämorbiden
Kenntnisse und Fähigkeiten des Aphasikers scheinen einen starken Einfluss auf
das Testergebnis zu haben und müssen daher berücksichtigt werden. Die
Schichtung von AAT-Ergebnissen anhand des Bildungsniveaus könnte nicht nur im
Hinblick auf die portugiesische Bevölkerung hilfreich sein.
Schlüsselwörter:
Aphasietests, normative Daten, Lerneffekt