Einflüsse des Bildungsniveaus in der Aphasiediagnostik: Erfahrungen aus der Standardisierung der portugiesischen Version des AAT (Aachener Aphasie Test)

 

Martin Lauterbach (mlauterbach@fm.ul.pt)
Language Research Laboratory
Neurological Clinical Investigation Unit
Faculty of Medicine
Lisbon, Portugal

 

Die Schichtung normativer Daten für demographische Variablen wird regelmäßig genutzt, um verlässliche Ergebnisse bei neuropsychologischen Untersuchungen zu erhalten. In Portugal mit seiner im Bereich der Bildung heterogenen Bevölkerungsstruktur lassen die normativen Daten der portugiesischen Version des AAT für Gesundheitskontrollen (N=156: männlich=58, weiblich=98) deutliche Auswirkungen des Bildungsniveaus erkennen. Der Zeichentest erwies sich als Subtest, der weniger stark vom Bildungsniveau beeinflusst wird. Im Gegensatz dazu lag die Fehlerzahl beim Benenn-Subtest in der Gruppe der weniger gebildeten Teilnehmer signifikant höher. Wenn es sich beim Stimulusmaterial um Fotografien und nicht um Strichzeichnungen handelte, sank die Fehlerzahl deutlich. Die qualitative Analyse der Fehler beim Benennen ergab, dass 40 % der Fehler wahrnehmungsbedingt waren; diese Fehler wurden folglich von einer Störung verursacht, die außerhalb des sprachlichen Systems zu suchen ist. Bei der Verwendung derselben Stimuli bei einem Hörverständnistest kam es zu derselben Fehlerzahl wie beim Benenntest; die Fehler standen in den meisten Fällen mit semantischen Distraktoren in Zusammenhang.

Bei der Leistung gesunder Teilnehmer gibt es keinen Deckeneffekt aufgrund der Bildungsunterschiede. Das Bildungsniveau beeinflusst nicht nur die sprachlichen Fähigkeiten, sondern auch das Wahrnehmungsvermögen bzw. die Vermittlung zwischen diesen beiden Stadien der Verarbeitung. Die prämorbiden Kenntnisse und Fähigkeiten des Aphasikers scheinen einen starken Einfluss auf das Testergebnis zu haben und müssen daher berücksichtigt werden. Die Schichtung von AAT-Ergebnissen anhand des Bildungsniveaus könnte nicht nur im Hinblick auf die portugiesische Bevölkerung hilfreich sein.

 

Schlüsselwörter: Aphasietests, normative Daten, Lerneffekt