Unterschiede in der Grundfrequenz der Sprechstimme bei bilingualen deutsch-englisch Sprechern

 

Wiebke Scharff Rethfeldt (info@logo-com.net)

Bremen, Germany

Nicholas Miller (nicholas.miller@ncl.ac.uk)

University of Newcastle-upon-Tyne

Newcastle, United Kingdom

 

In zahlreichen Studien wird auf die sprachenübergreifenden Unterschiede bei Sprechparametern hingewiesen – wie beispielsweise beim Aspirationsgrad und beim Stimmeinsatz. Die Existenz solcher Unterschiede wirft die Frage auf, ob und in welcher Weise diese Unterschiede bei bilingualen Sprechern bestehen und ob sie die Therapie der Sprechstimme beeinflussen.

Ein häufig vernachlässigtes Merkmal, bei dem es je nach Sprache Unterschiede geben kann und das Auswirkungen auf die Diagnose und Behandlung von Stimmbeeinträchtigungen hat, ist die Grundfrequenz der Sprechstimme (Speaking Fundamental Frequency – SFF). Auch wenn bei einigen Untersuchungen herausgefunden wurde, dass die SFF je nach Sprache differiert, ist bislang nicht bekannt, wie stark diese Unterschiede bei bilingualen Sprechern ausgeprägt sind.

Wir haben die SFF bei passenden Paaren monolingualer Sprecher (Deutsch bzw. Englisch) und hoch kompetenten bilingualen Testpersonen (Deutsch/Englisch) untersucht. Die Ergebnisse bestätigen, dass die SFF bei den monolingualen Sprechern unterschiedlich ausfällt. Darüber hinaus wurde festgestellt, dass die bilingualen Sprecher deutlich unterschiedliche SFF in den einzelnen Sprachen verwenden, wobei die SFF im Englischen höher liegt als im Deutschen. Die SFF fiel in jedem Fall sowohl im Englischen als auch im Deutschen signifikant anders aus als bei den monolingualen Sprechern. Die Werte lagen zwischen den SFF-Werten der monolingualen Sprecher.

Wir diskutieren diese Ergebnisse im Hinblick auf Fragestellungen im Bereich der Diagnose und Behandlung von Stimmveränderungen bei bilingualen Sprechern.