Sprache und Migration.
Interkulturelle Vermittlung und Logopädie
Neuchâtel
Switzerland
Art und Funktion der
interkulturellen Vermittlung werden bei der Versorgung von Migranten
und ihrer Familien – insbesondere bei Sprach- und Kommunikationsstörungen –
heute noch nicht genügend berücksichtigt. Der Vortrag gibt einen kurzen
Überblick über die Voraussetzungen und Anwendungen der interkulturellen
Vermittlung sowie über die Auswirkungen auf die logopädische, psychosoziale und
psychopädagogische Therapie. Ausgehend von meiner klinischen Erfahrung im
Bereich der interkulturellen Logopädie werde ich darlegen, wie es eine
qualifizierte sprachlich-kulturelle Vermittlung ermöglicht, die Überlegungen
und konkreten Entscheidungen von Gruppen (institutionell und familiär) in
Krisensituationen zu hinterfragen, um Wege aus der verfahrenen Situation zu
finden und in gegenseitigem Respekt Alternativen vorzuschlagen. Die Arbeit im
Rahmen einer Dreierkonstellation (Therapeut, Vermittler, Migrant)
muss die innerhalb der beteiligten Gruppen bestehenden Differenzen offen legen.
Bei der qualifizierten sprachlich-kulturellen Vermittlung handelt es sich nicht
um Dolmetschen. Sie bildet vielmehr die Schnittstelle zwischen Therapeut und
Patient und ermöglicht es den Gesprächspartnern, die kulturellen Modelle zu
hinterfragen, die der Ätiologie und den jeweiligen Behandlungsmethoden zugrunde
liegen.
Schlüsselwörter:
Ethno-Logopädie, Migration, Sprachstörungen,
interkulturelle Vermittlung