Sprache und Migration. Interkulturelle Vermittlung und Logopädie

 

Francine Rosenbaum (f.rosenbaum@bluewin.ch)

Neuchâtel

Switzerland

 

Art und Funktion der interkulturellen Vermittlung werden bei der Versorgung von Migranten und ihrer Familien – insbesondere bei Sprach- und Kommunikationsstörungen – heute noch nicht genügend berücksichtigt. Der Vortrag gibt einen kurzen Überblick über die Voraussetzungen und Anwendungen der interkulturellen Vermittlung sowie über die Auswirkungen auf die logopädische, psychosoziale und psychopädagogische Therapie. Ausgehend von meiner klinischen Erfahrung im Bereich der interkulturellen Logopädie werde ich darlegen, wie es eine qualifizierte sprachlich-kulturelle Vermittlung ermöglicht, die Überlegungen und konkreten Entscheidungen von Gruppen (institutionell und familiär) in Krisensituationen zu hinterfragen, um Wege aus der verfahrenen Situation zu finden und in gegenseitigem Respekt Alternativen vorzuschlagen. Die Arbeit im Rahmen einer Dreierkonstellation (Therapeut, Vermittler, Migrant) muss die innerhalb der beteiligten Gruppen bestehenden Differenzen offen legen. Bei der qualifizierten sprachlich-kulturellen Vermittlung handelt es sich nicht um Dolmetschen. Sie bildet vielmehr die Schnittstelle zwischen Therapeut und Patient und ermöglicht es den Gesprächspartnern, die kulturellen Modelle zu hinterfragen, die der Ätiologie und den jeweiligen Behandlungsmethoden zugrunde liegen.

 

Schlüsselwörter: Ethno-Logopädie, Migration, Sprachstörungen, interkulturelle Vermittlung