Kulturspezifische Aspekte
der Eltern-Kind-Interaktion
Shyamanih
Hettiarachchi (shyamanih@yahoo.com)
Der
Eltern-Kind-Interaktions-Ansatz (Kelman und Schneider, 1994) und das Hanen
Parent Program (Manolson, 1992) sind die wohl meistverwendeten therapeutischen
Methoden bei Kindern mit Schwierigkeiten beim Spracherwerb. Diesen
Therapiemethoden liegt die Annahme zugrunde, dass durch Veränderungen der
Eltern-Kind-Interaktion die kommunikativen Möglichkeiten und Erfahrungen im
Rahmen des Spracherwerbs maximiert werden können. Die Ansätze basieren auf
wissenschaftlichen Untersuchungen in der „westlichen Kultur“ (z.B.: weiß,
Mittelschicht). Im Wesentlichen handelt es sich hierbei um die Methode des
„child-directed speech“ aus Nordamerika (Snow, 1999).
Angesichts der
zunehmenden Bedeutung des Multikulturalismus und der kulturellen Vielfalt in
Großbritannien und Europa stehen wir vor der Herausforderung, über
Lippenbekenntnisse im Bereich der „kulturellen Themen“ hinaus nicht nur die
sprachliche sondern auch die kulturelle Angemessenheit von Therapieansätzen zu
beurteilen. Die Studie befasst sich mit zwei Gruppen von Mutter-Kind-Paaren,
die Tamilisch bzw. Bengalisch sprechen (britsch-südasiatische Gemeinschaften).
Eine Gruppe besteht aus Müttern, deren Kinder Schwierigkeiten beim Spracherwerb
haben, während die Kinder in der anderen Gruppe eine normale Sprachentwicklung
durchlaufen. Es handelt sich um eine ethnographische Studie, die sich auf
Aspekte qualitativer und quanti-tativer Analysen stützt. Das Ziel besteht
darin, Muster natürlicher Eltern-Kind-Interaktionen beim Spielen zu beobachten
und zu doku-mentieren. Ferner soll erforscht werden, wie die Eltern den
Sprach-erwerb ihrer Kinder wahrnehmen (soziokulturelle Sichtweisen) und welche
Rolle den Eltern dabei zukommt. Erste Ergebnisse lassen vermuten, dass die
Mütter beim Spielen die Rolle eines „Lehrers“ übernehmen und Interaktionsmuster
erkennbar werden, die von denjenigen ihrer „westlichen“ Pendants abweichen.
Schlüsselwörter:
Eltern-Kind-Interaktion, Kultur, Wahrnehmungen, Verhaltensweisen