Script
für CPLOL 6th European Congress
EVAS - Evaluation von Sprachförderprogrammen
bei Vorschulkindern mit Migrationshintergrund: Ziele, Design und erste
Ergebnisse
Karin
Schakib-Ekbatan, Petra Hasselbach, Jeanette Roos und Hermann Schöler
Projektziele. Ziel ist die Evaluation spezifischer Sprachfördermaßnahmen
im Rahmen des Kindertagesstättenbesuchs insbesondere bei Kindern mit
Migrationshintergrund. Frage ist, ob diese spezifischen Maßnahmen effektiver
sind als die Sprachförderung, die nach dem üblichen Curriculum des
Kindergartens angeboten wird.
Evaluiert werden
dabei spezifische Sprachfördermaßnahmen, die im Rahmen des Programms ‚Sag
mal was - Sprachförderung für Vorschulkinder’ der Landesstiftung
Baden-Württemberg in Kindertagesstätten der Städte Mannheim und Heidelberg eingesetzt
und von der Landesstiftung Baden-Württemberg finanziert werden. Es handelt sich
hierbei um Sprachförderprogramme nach (1) Kaltenbacher und Klages, (2) Tracy
und (3) Penner. Im Focus steht
dabei die Überprüfung, ob sich unmittelbare und differenzielle Effekte der verschiedenen
Förderprogramme zeigen und sie langfristig dazu beitragen können, die Chancen
zur Teilhabe am schulischen Bildungsprozess bei Kindern mit
Migrationshintergrund zu erhöhen. Anhand von Prä- und Posttests werden
sprachliche und nicht-sprachliche Indikatoren erhoben, die sich als relevant erwiesen
haben.
Hintergrund. Sprachliche Kompetenzen sind unbestritten
eine fundamentale Voraussetzung sowohl für die angemessene Bewältigung schulischer
Anforderungen als auch für die Chance auf gesellschaftliche Integration. Dem
erheblichen Anteil an Familien mit Migrationshintergrund muss in einer Wissens-
und Leistungsgesellschaft, in der vor allem der Schulleistung und damit der
(Aus-)-Bildung eine zentrale Bedeutung beigemessen wird, Rechnung getragen
werden. Die PISA-Ergebnisse
(Baumert et al., 2001) zeigen, dass die Sprachkompetenz gerade für Kinder aus
diesen Familien die „entscheidende Hürde für ihre Bildungskarriere” (S. 374) darstellt.
Viele Vorschul- und Schulkinder mit Migrationshintergrund verfügen über keine
oder unzureichende Deutschkenntnisse. Das betrifft nicht nur neu zugewanderte
Familien sondern auch Kinder aus Familien, die bereits seit mehreren
Generationen in Deutschland leben. Die Hoffnung der Politik, dass sich die
sprachliche Integration von Immigranten über Generationen hinweg in Richtung
der Beherrschung der Verkehrssprache Deutsch selbst positiv regulieren würde,
hat sich nicht erfüllt. Bei ohnehin sehr heterogenen Leistungsprofilen der
Schülerinnen und Schüler kann Schule erfahrungsgemäß gerade in den ersten
Schuljahren sprachliche Defizite nicht ausreichend kompensieren.
Da die
Wechselwirkung zwischen sprachlichen und anderen Leistungsbereichen, wie
insbesondere der Kognition, dazu führt, dass die Diskrepanz zwischen den Leistungsgruppen
(unzureichende vs. ausreichende Deutschkenntnisse) mit zunehmendem Alter und
zunehmender Beschulungszeit in aller Regel größer wird (so genannter
Schereneffekt), sollen Fördermaßnahmen möglichst früh, spätestens im Vorschulalter,
erfolgen.
In vielen Bundesländern werden daher derzeit sowohl Diagnostika als auch
Sprachförderprogramme entwickelt. Mit dem flächendeckenden Einsatz von
Diagnostika sollen im Vorschulalter Risikokinder unterschiedlicher Ätiologie
aufgefunden werden, vor allem auch Kinder mit unzureichenden
Deutschkenntnissen. Ziel dabei
ist, den Sprachentwicklungsstand von Kindern adäquat beurteilen und ggf. einen
Förderbedarf auch frühzeitig erkennen zu können, allgemeine und individuelle
Sprachfördermaßnahmen durchzuführen oder im Einzelfall externe Maßnahmen wie
Therapien zu initiieren – ein hoher Anspruch vor dem Hintergrund sehr heterogener
Entwicklungsverläufe von Kindern in diesem relevanten Entwicklungsbereich.
Unterschiedliche
Formen sprachlicher Auffälligkeiten. Um Sprachförderung angemessen durchführen zu können, müssen zunächst
diejenigen Kinder auch aufgefunden werden, die einen Förderbedarf aufweisen. Da
einer dem Entwicklungsstand nicht angemessenen Sprachleistung sehr
unterschiedliche Bedingungsgefüge zugrunde liegen können, erweist sich diese
Diagnostik als durchaus schwierig und nicht trivial nach dem Motto „Das Kind
spricht kein Deutsch, also muss es in Deutsch gefördert werden“. Förderung als
kompensatorische Unterstützung bei milieubedingten Benachteiligungen ist
abzugrenzen von Interventionen bei gestörten Erwerbsprozessen. Für eine
optimale Förderung ist daher auch bei Kindern mit Migrationshintergrund die
Klärung der Fragen notwendig, wie lange bisher ein Kontakt mit der deutschen
Sprache bestand, in welchem Alter dieser Erstkontakt erfolgte und ob auch der
Erstspracherwerb beeinträchtigt ist. Neben einem unzureichenden Kontakt mit der
deutschen Sprache liegen bei Kindern mit Migrationshintergrund darüber hinaus
oft auch milieubedingte Benachteiligungen zusätzlich vor (Schöler et al.,
2002), welche sich in mangelhaften Anregungen und Erfahrungen gerade für den
Spracherwerb ausdrücken. Im Falle einer zugrunde liegenden
Sprachentwicklungsstörung wird die übliche Intervention (Teilnahme an einem
Sprachförderprogramm in der Kindertagesstätte) unzureichend bleiben, primär
müssten dann therapeutische Maßnahmen ergriffen werden. Die in
Kindertageseinrichtungen durchgeführten Förderungen können und sollen therapeutische
Interventionen bei Kindern mit (diagnostizierten) Spracherwerbsstörungen nicht
ersetzen.
Während „doppelter“ Erstspracherwerb
(Bilingualismus) in aller Regel keiner expliziten Förderung bedarf, ist beim
ungesteuerten Zweitspracherwerb meist eine Unterstützung erforderlich. Kinder
mit Migrationshintergrund lernen die deutsche Sprache überwiegend als Zweitsprache
und werden oft erst beim Kindergartenbesuch mit der deutschen Sprache konfrontiert.
Sie befinden sich dann in einem Alter, in dem der Erstspracherwerb ihrer
Herkunftssprache noch nicht abgeschlossen ist. Geeignete Informationen zur
Einschätzung möglicher Erwerbsauffälligkeiten in der nicht-deutschen
Erstsprache liegen in der Regel nicht differenziert – wenn überhaupt – vor, was
eine genaue Sprachdiagnose bei diesen Kindern erschwert. Diagnostik sollte
daher neben den sprachlichen Leistungsbereichen auch die Erhebung basaler, für
die Sprachentwicklung relevanter Informationen, enthalten.
Deutsch als Zweitsprache (DaZ) ist in Kindergarten
(und Schule) nicht mehr die Ausnahme sondern in vielen Einrichtungen bereits
ein Bestandteil der Charakterisierung der Lernergruppen. Allerdings ist der
wissenschaftliche Kenntnisstand im Bereich früher Erwerbsprozesse bzw.
möglicher Wechselwirkungsprozesse von Erst- und Zweitsprache bei mehrsprachig
aufwachsenden Kindern noch unzureichend (zu theoretischen Aspekten, Fragen des
gesteuerten oder ungesteuerten Zweitspracherwerbs s. Haberzettl, 2006, Klein,
1999). So besteht noch keine einheitliche Auffassung darüber, welche Bedeutung
der Herkunftssprache für die Förderkonzeption zukommt.
Darüber hinaus bestehen unterschiedliche Auffassungen
über die Rolle (a) des Lebensalters und (b) die Dauer des Sprachkontakts auf
den Zweitspracherwerb: (a) Wie wirkt sich das Entwicklungsalter auf den Erwerb
der Zweitsprache aus? Verläuft der Zweitspracherwerb in Abhängigkeit vom
Lebensalter unterschiedlich? (b) Welchen Einfluss übt die so genannte
Belichtungszeit in der Zweitsprache auf ihren Erwerb aus, d. h. wie lange
bestand der bisherige Kontakt mit der deutschen Sprache? Unterschiedliche
Beantwortungen dieser Fragen müssen sich notwendig auf die Konzeption
sprachlicher Fördermaßnahmen auswirken. Die theoretischen Zugänge bei der
Konzeption von Förderprogrammen sind daher auch recht unterschiedlich gewählt.
Zur
Situation von Förderkonzepten und -programmen. Derzeit liegen zum einen nur wenige Sprachförderprogramme
vor, zum anderen sind diese hinsichtlich ihrer Wirksamkeit meist nicht evaluiert. Dabei handelt
es sich häufig um eher informelle eklektische Sammlungen mit allgemeinen
Informationen zum Spracherwerb und zur Zweisprachigkeit sowie
Förderungsempfehlungen und Spielanleitungen, jedoch zumeist ohne Anleitung zu
einer strukturierten und systematischen Vorgehensweise. Nur wenige
Sprachfördermaßnahmen genügen den für Programme als erforderlich erachteten
Standards (Kany, 2006). Für die Bewertung eines Sprachförderprogramms legt Kany
einen Kriterienkatalog vor, mit dem u. a. geprüft werden kann, ob und welche
Schwerpunkte der Förderung angegeben, inwieweit Förderbereiche präzisiert
werden oder welche Qualifikation für seine Anwendung erforderlich ist.
Die Entwicklung, Implementierung und Evaluierung
fundierter Programme ist ein eher langwieriger Prozess. Angesichts des
evidenten Handlungsbedarfs besteht aber ein immer größer werdender Druck von
verschiedenen Seiten auf die Kindertageseinrichtungen, rasch Abhilfe zu
schaffen. Dies entspricht im Übrigen auch dem eigenen Anspruch vieler
Erzieher/-innen an eine adäquate Förderung der Kinder. Die Notwendigkeit,
sofort und aus ethischen Gründen fördern zu müssen, steht in einem gewissen
Widerspruch zum Stand der Theorien und Programme, denn ebenfalls ethische
Gründe erfordern, dass theoretisch, methodisch und inhaltlich möglichst fundierte
und effektive Fördermaßnahmen in diesem wichtigen frühen Altersbereich eingesetzt
werden können. Diese Entwicklung erfordert aber seine Zeit.
‚Sag mal was - Sprachförderung für Vorschulkinder’: Richtlinien der Landesstiftung Baden-Württemberg für Sprachfördermaßnahmen.
In Baden-Württemberg stellt die Landesstiftung mit dem Programm ‚Sag’ mal was – Sprachförderung für Vorschulkinder’ seit 2003 jährlich etwa 5 Millionen Euro Mittel für die Durchführung von Sprachfördermaßnahmen in den Kindertagesstätten zur Verfügung.
Damit sollen durch die Unterstützung des
Spracherwerbs im Vorschulalter insbesondere die Bildungschancen von Kindern mit
Migrationshintergrund verbessert werden.
Zielgruppe für die Förderungen sind Kinder,
die rund ein Jahr vor der Einschulung stehen und Förderbedarf in der deutschen
Sprache haben. Hierzu zählen sowohl förderbedürftige monolingual deutschsprachige
als auch mehrsprachige Kinder mit Förderbedarf.
Zur Feststellung des Förderbedarfs sind nur
bestimmte diagnostische Verfahren zugelassen (u. a. HASE, Brunner & Schöler, 2001/2002 und SISMiK, Ulich & Mayr, 2003). Die Träger
sind in gewissen Grenzen frei, eigene Vorstellungen in der Umsetzung von
Sprachförderung zu realisieren. Das Spektrum der möglichen inhaltlichen
Ausgestaltung reicht dabei von informellen Vorgehensweisen über Angebote mit Methoden
und Bausteinen, die neben der sprachlichen Förderung auch andere Aspekte der
kindlichen Entwicklung unterstützen möchten, bis hin zu theoretisch fundierten
Konzepten (s. hierzu auch Kany, 2006).
Die jeweiligen Sprachförderkräfte müssen eine
Qualifizierung durch entsprechende Aus- und Fortbildung oder langjährige
Erfahrung nachweisen können.
Die Dauer der Fördermaßnahmen umfasst ohne
Vorbereitungszeit 120 Stunden, die sich in einem Mindestzeitraum von sechs
Monaten im Kindergartenjahr auf 4-5 Stunden wöchentliche Förderzeit verteilen
sollen. Die Förderung erfolgt in Gruppen, die zwischen 6 bis maximal 10 Kinder
umfassen dürfen. Die Lern- und Entwicklungsprozesse der Kinder sollen gezielt beobachtet
und regelmäßig dokumentiert werden. Aktive Elternbeteiligung, z. B. in Form von
Teilnahme an den Förderstunden, Vorlesestunden oder Besuch von Sprachkursen,
soll die Maßnahmen in den Gruppen ergänzen.
Förderungen in diesem Zeitraum werden erstmals
auch wissenschaftlich im Rahmen zweier Projekte an den Pädagogischen
Hochschulen Weingarten und Heidelberg evaluiert.
Das im Zeitraum 2005-2008 laufende Projekt EVAS der Pädagogischen
Hochschule Heidelberg wird im Folgenden dargestellt und erste Ergebnisse werden
berichtet.
EVAS – Forschungsdesign
Vorbemerkung. Da sich aus ethischen Gründen eine Bildung von
Kontrollgruppen mit ungeförderten Kindern verbietet, wodurch diese dann keine
(erforderliche) Förderung im sprachlichen Leistungsbereich erhalten würden,
kann das übliche Kontrollgruppendesign vor dem Hintergrund des real
vorzufindenden Förderbedarfs von Kindern nicht umgesetzt werden.
Der Vergleich erfolgt daher zwischen
a) Untersuchungsgruppen, die eine
spezifische Förderung erfahren mittels eines der drei eingesetzten Programme
nach (1) Kaltenbacher und Klages vom Seminar
für Deutsch als Fremdsprachenphilologie der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg (im
Folgenden SDF genannt), (2) Tracy sowie nach (3) Penner und
b)Vergleichsgruppen mit einer unspezifischen Förderung im Rahmen
der in den Kindertagesstätten üblichen Curricula zur Unterstützung der
Sprachentwicklung.
Sowohl die
Untersuchungsgruppen als auch die Vergleichsgruppen bestehen ausschließlich aus
Kindern, die im Sommer 2006 eingeschult werden. Im Rahmen des
längsschnittlichen Designs der Studie wurde der Förderbedarf der Kinder und
somit ggf. deren Aufnahme in spezifische Sprachfördergruppen im Mai 2005 über den Beobachtungsbogen SISMIK, (Ulich & Mayr, 2003), Einschätzungen
der Erzieher/-innen sowie ein Screening zur Erfassung von Risikokindern für
Sprach- und Schriftspracherwerbsschwierigkeiten (Heidelberger Auditives
Screening in der Einschulungsuntersuchung, HASE,
Brunner & Schöler, 2001/2002) ermittelt. Vor Beginn der Förderung wurden auch
individuelle Merkmale anhand standardisierter Verfahren zum Sprachentwicklungsstand
(Subtests zu morpho-syntaktischen Strukturformen und zu semantischen Aspekten
aus dem Heidelberger
Sprachentwicklungstest, H-S-E-T, Grimm & Schöler, 1991) und zur kognitiven
Leistungsfähigkeit (CPM, Raven, 2002)
erfasst.
Mittels eines Elternfragebogens werden
Informationen zum sozio-kulturellen Hintergrund der Familien erhoben. Daneben
können relevante Informationen gewonnen werden, die eine Annäherung an die
Lebenswelt der Kinder erlauben (z. B. Freizeitgestaltung, Wohnsituation,
Wohnumfeld). Die Eltern mehrsprachiger Kinder werden zusätzlich u. a. nach
ihren bisherigen Aktivitäten zum Erlernen der deutschen Sprache gefragt, nach
der Einschätzung ihrer (schrift-)sprachlichen Kompetenzen im Deutschen sowie in
welcher Weise die Eltern und das Kind die verschiedenen Sprachen im Alltag nutzen.
Die Vergleichsgruppen sollen soweit wie
möglich aufgrund individueller Merkmale, sozio-kultureller und soziographischer
Faktoren beschreibbar sein können: Individuelle Merkmale sind das Geschlecht,
die Muttersprache sowie die kognitive und sprachliche Leistungsfähigkeit.
Indikatoren für den sozio-kulturellen Hintergrund sind das Bildungsniveau der
Eltern und der ausgeübte Beruf. Der Wohnbezirk dient als Hinweis auf soziographische
Merkmale.
Förderinhalte und methodische
Vorgehensweisen bei den spezifischen Sprachförderungen werden durch ein
teilstrukturiertes Interview mit den Sprachförderkräften sowie eine
kontinuierliche Dokumentation erhoben.
Nach Abschluss der Förderung
erfolgt die erneute Feststellung des Sprachentwicklungsstandes anhand
standardisierter Verfahren.
Zur Überprüfung, ob die Förderprogramme
nachhaltig zur Teilhabe am Bildungsprozess beigetragen haben, werden am Ende
der 1. und 2. Grundschulklasse Leistungsbeurteilungen der Lehrkräfte eingeholt
und am Ende der 2. Klasse die Leistungsentwicklung im Lesen, Rechtschreiben und
Rechnen sowie die Selbstkonzeptentwicklung (hinsichtlich Sprache) und die
Entwicklung der Leistungsmotivation durch standardisierte Verfahren untersucht.
Aufgrund der sehr unterschiedlichen methodisch-didaktischen Vorgehensweisen des
Anfangsunterrichts im Lesen und Schreiben können erst am Ende der 2. Klasse die
schulischen Leistungen der geförderten Kinder untereinander und mit anderen
Gruppen verglichen werden. Kriterium für den nachhaltigen Erfolg der
Sprachförderung sollen daher die schulischen Leistungen der Kinder am Ende der
2. Klasse sein.
Bildung der Vergleichsgruppen. Die Gruppen, die im Rahmen des Programms ‚Sag mal was - Sprachförderung für Vorschulkinder’ der Landesstiftung Baden-Württemberg an den drei spezifischen Sprachfördermaßnahmen (1) Kaltenbacher und Klages (SDF), (2) Tracy und (3) Penner teilnehmen, wurden durch die Verantwortlichen in den einzelnen Kitas bestimmt. In manchen Einrichtungen, die förderbedürftige Kinder haben, konnte teilweise eine Finanzierung und damit spezifische Förderung durch die Landesstiftung nicht beantragt werden, weil u. a. die Richtlinien nicht hätten erfüllt werden können (z. B. eine ausreichende Gruppengröße). Kinder mit Förderbedarf aus solchen Einrichtungen bilden somit einen Teil der Vergleichsgruppen mit unspezifischer Sprachförderung. Die Kinder mit einer unspezifischen Sprachförderung wurden aufgrund der H-S-E-T-Leistungen in eben diese Gruppe von Kindern mit Förderbedarf und eine Gruppe mit Kindern ohne Sprachförderbedarf eingeteilt. Beide Gruppen werden die Vergleichsgruppen der Evaluationsstudie zur Feststellung der Effekte der spezifischen Sprachförderprogramme bilden (s. o.). Der Zuteilungsalgorithmus zu diesen beiden Gruppen der unspezifischen Förderung sieht wie folgt aus: Kinder, die beim Subtest IS unterdurchschnittlich abschneiden (T < 40), sowie Kinder, die in mindestens zwei der vier durchgeführten H-S-E-T-Untertests unterdurchschnittliche Leistungen erzielen, werden der Gruppe der Kinder mit Förderbedarf zugerechnet (VGL-MF). Alle anderen Kinder bilden die Vergleichsgruppe der Kinder ohne Sprachförderbedarf (VGL-OF).
Merkmale
der Gesamtstichprobe. Die Gesamtstichprobe
besteht aus insgesamt 553 Kindern, die im Sommer 2006 eingeschult werden, davon
besuchen 218 Kinder eine Kindertagesstätte (Kita) in Heidelberg (HD), 335
Kinder eine Kita in Mannheim (MA). Jungen sind gegenüber Mädchen überrepräsentiert:
Der Anteil der Jungen liegt bei 56.2% (in MA: 55.5 %; in HD: 57.3 %)‚ das
Durchschnittsalter der Kinder bei 5;2 Jahren (SD = 4 Monate). 43.0 % der Kinder
(N = 238) wachsen einsprachig Deutsch auf, 57.0 % der Kinder (N =315) sind
mehrsprachig. Der Anteil der deutschsprachigen Kinder variiert innerhalb der
Gruppen mit Förderbedarf (MF) zwischen 15 und
35 %. In der Gruppe der Kinder ohne Sprachförderbedarf (OF) liegt dieser Anteil dagegen bei 73.5 %.
Sprachliche
und kognitive Leistungen vor der Förderung (Screening und Prätestung). Im
Folgenden werden die Leistungen der Kinder bei den verschiedenen Aufgaben
dargestellt.
Die Kinder mit Förderbedarf erreichen in allen HASE-Aufgaben, die als
ein Baustein zur Entscheidungsfindung zur Feststellung des Förderbedarfs
eingesetzt wurden, geringere Werte als die Kinder ohne Förderbedarf. Bei den Aufgaben, die sprachunspezifischere Leistungen der
phonologischen Schleife des Arbeitsgedächtnisses indizieren (Nachsprechen von
Kunstwörtern und Wiedergeben von Zahlenfolgen), sind keine bedeutsamen
Unterschiede zwischen deutsch- und mehrsprachigen Kindern zu beobachten. Die deutsch-
und mehrsprachigen Kinder unterscheiden sich ebenfalls nicht im kognitiven
Leistungsniveau, tendenziell erzielen die mehrsprachigen Kinder sogar die
besseren Leistungen. Die Kinder ohne Sprachförderbedarf erzielen höhere
Intelligenztestwerte als die Kinder mit Sprachförderbedarf. Zu bedenken ist
aber, dass der Sprachförderbedarf bei deutschsprachigen und bei mehrsprachigen
Kindern unterschiedlich verursacht sein dürfte: Bei den deutschsprachigen
Kindern sind Sprachdefizite eher aufgrund einer allgemeinen Leistungsminderung
zu vermuten, bei den mehrsprachigen Kindern eher auf nicht ausreichenden
Kontakt mit der deutschen Sprache zurückzuführen. Die Tendenz, dass die
mehrsprachigen Kinder höhere Intelligenztestwerte als die deutschsprachigen Kinder
erreichen, spricht für diese Annahmen.
Sprachliche
Leistungen im Einzelnen. Die mehrsprachigen Kinder erzielen
erwartungsgemäß bei allen Aufgaben, die sprachliches Wissen im Deutschen
erfordern (Nachsprechen von Sätzen NS,
Erkennen von Wortfamilien EW aus
HASE; Prüfung syntaktischen Wissens durch das Nachsprechen von Sätzen,
H-S-E-T-Subtest IS und das Verstehen
von Instruktionen, H-S-E-T-Subtest VS),
geringere Leistungen als die deutschsprachigen Kinder, unabhängig davon, ob
Förderbedarf besteht oder nicht.
In allen überprüften sprachlichen
Leistungsbereichen zeigen sich darüber hinaus die erwarteten Unterschiede
zwischen den Gruppen mit Förderbedarf versus ohne Sprachförderbedarf (s. Abb.
1): Sowohl bei der Prüfung syntaktischen Wissens durch das Nachsprechen von
Sätzen (H-S-E-T-Subtest IS) und das
Verstehen von Instruktionen (H-S-E-T-Subtest VS), der Prüfung morphologischen Wissens durch das Bilden von
Plural- und Singularformen (H-S-E-T-Subtest PS),
der Prüfung semantischen Wissens durch das Auffinden von Wortfeldern und das
Produzieren von einem weiteren zugehörigen Wort (H-S-E-T-Untertest WF) erreicht die Gruppe ohne Förderbedarf
jeweils durchschnittliche Leistungen.

Abbildung 1 Leistungen der Kinder aus den
Sprachfördergruppen SDF (Kaltenbacher und Klages), Tracy, Penner sowie der
Vergleichsgruppe mit Förderbedarf (VGL-MF) sowie der
Vergleichsgruppe ohne Förderbedarf (VGL-OF) in den H-S-E-T-Subtests IS, VS, PS und WF.
Die Gruppen mit Förderbedarf (SDF,
Tracy, Penner und VGL-MF) erzielen unterdurchschnittliche oder am unteren
Durchschnittsbereich liegende Leistungen, die sich von den Leistungen der
Kinder ohne Förderbedarf (VGL-OF) bedeutsam unterscheiden. Der Abstand zwischen
den Leistungen der Gruppen mit und ohne Förderbedarf beträgt immer mehr als
eine Standardabweichung. Zwar variieren die Leistungen innerhalb der Gruppen
mit Förderbedarf, aber nicht statistisch bedeutsam.
Ein Effekt des Geschlechts ist
nicht feststellbar (F = 2.27; p = .13): Die Leistungen von Jungen und Mädchen
unterscheiden sich nicht.
Fazit. Die
Ergebnisse der Untersuchungen vor der Sprachförderung bestätigen die Auswahl
der monolingual deutschsprachigen Kinder und der mehrsprachigen Kinder für die
Fördermaßnahmen. Mit dem für die Entscheidungsfindung eingesetzten Procedere
der Fachkräfte konnte der Förderbedarf der Kinder angemessen identifiziert
werden. Die Leistungen der Kinder mit und ohne Förderbedarf unterscheiden sich
dementsprechend bedeutsam in den Subtests des standardisierten Verfahrens zur
Sprachstandserhebung (H-S-E-T). Der Subtest Imitation grammatischer Strukturformen
(IS) erweist sich dabei als bester
Indikator für die sprachlichen Leistungsunterschiede der Kinder (zur
diagnostischen Bedeutung von Nachsprechaufgaben s. auch Schöler, Fromm,
Schakib-Ekbatan & Spohn, 1997).
Literatur
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Band Förderschwerpunkt Sprache. Göttingen: Hogrefe.
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Sein Stellenwert bei der Diagnostik von Sprachentwicklungsstörungen (Arbeitsberichte
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Pädagogische Hochschule, Erziehungs- und Sozialwissenschaftliche Fakultät.
Schöler, H., Roos, J., Schäfer, P., Dreßler, A., Grün-Nolz, P. &
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Institut für Sonderpädagogik, Abt. Psychologie in sonderpädagogischen
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Schöler, H., Dutzi, I., Roos, J., Schäfer, P., Grün-Nolz, P. &
Engler-Thümmel, H. (2004). Einschulungsuntersuchungen
2003 in Mannheim (Arbeitsberichte aus dem Forschungsprojekt
„Differenzialdiagnostik“ Nr. 16). Pädagogische Hochschule Heidelberg, Fakultät
I.
Tracy, R. (2003). Sprachliche
Frühförderung. Mannheim: Universität Mannheim, Forschungs- und Kontaktstelle
Mehrsprachigkeit.
Links
www.sagmalwas-bw.de
(Landesstiftung Baden-Württemberg)
www.ph-heidelberg.de/wp/schoeler/Arbeitsberichte.html (Arbeitsberichte aus dem Projekt
EVAS)